Extremhunger kann unglaublich beängstigend sein. Man fühlt sich oftmals so alleine mit dem Phänomen, auch wenn es eigentlich eines der normalsten und häufigsten Symptome während der Genesung ist. 

In dem Blog Beitrag möchte ich dir zunächst erklären, warum du überhaupt Extremhunger erfährst und anschließend gebe ich dir 5 Tipps, wie du deinen unbändigen Hunger stillen kannst. Auch wenn der Extremhunger für mich in der Recovery ziemlich schwierig war, ist er heute einer meiner Herzensthemen geworden. Wenn du also irgendetwas aus diesem Post lernen kannst, dann würde ich mich unglaublich freuen, wenn du den Post auf irgendeine Art und Weise teilen würdest oder damit interagierst. 

Jetzt aber wirklich: Warum bist du überhaupt so hungrig?

Was zum TEUFEL ist Extremhunger eigentlich?

Lass uns zunächst einmal definieren, was der Begriff Extremhunger eigentlich bedeutet. Bislang besteht im wissenschaftlichen Kontext noch keine eindeutige Definition für das Phänomen, also lass uns doch einfach einmal die beiden Worte “extrem” und “Hunger” getrennt voneinander anschauen, um uns dem Begriff zu nähern. 

 

a) Hunger ist ein Mangel an Nahrung (Energie und/oder Nährstoffen). Hunger bezeichnet aber auch eine subjektiv wahrgenommene, meist unangenehme körperliche Empfindung.

b) extrem: in einem Hohen Maß bestehend, übertrifft einen normalen oder zu erwartenden Zustand

Zusammenfassend können wir also sagen, dass Extremhunger den dringlichen Bedarf nach Essen oder auch bestimmten Nährstoffen darstellt. Die meisten Menschen fühlen sich einfach wie ein Fass ohne Boden. Keine Menge an Essen scheint auszureichen, diesen unbändigen Hunger zu stillen – nicht einmal den Vorratsschrank zweimal zu plündern würde nicht ausreichen. 

Symptome könnten allein schon der ständige Gedanke an Essen sein. Aber auch “full day of eatings” zu schauen, die nächsten Mahlzeiten zu planen oder Kochbücher zu lesen können von dem Extremhunger verschuldet sein. 

Und warum haben wir Extremhunger überhaupt?

Extremhunger ist meist ein Resultat von irgendeiner Art von Restriktion. Sei es eine restriktive Essstörung, Diäten oder auch einfach über einen längeren Zeitraum ungenügend Kalorien zu sich zu nehmen. All diese Dinge verursachen ein Kaloriendefizit, was soviel bedeutet wie, dass die Menge an Kalorien, die wir zu uns nehmen, im Ungleichgewicht dazu stehen, wieviel wir benötigen. Und lass uns nicht vergessen, dass einfach nur Atmen, Verdauen, dein Herzschlag, … auch schon Energie benötigt. Und wenn wir nicht ausreichend Energie für all diese Dinge haben, erfährt unser Gehirn dies als eine Nahrungsknappheit. (mehr genauer: Dein Reptiliengehirn, der älteste Part des Gehirns, dessen Aufgabe es ist, dich am Leben zu halten)

Nahrungsknappheit bedroht unsere Existenz und unser Körper kann sich nicht darauf verlassen, dass er jeder Zeit genug Energie für alle lebenswichtigen Funktionen erhalten kann. Also beschränkt er sich auf ein Minimum von Körperfunktionen und läuft erstmal auf Sparflamme. Gerade so etwas wie die Synthese von bestimmten Hormonen, der monatliche Zyklus, usw. ist nicht unbedingt notwendig, dass wir überleben. Gut zu wissen ist auch: Hunger wird von Hormonen induziert, wenn diese nicht produziert werden, haben wir keinen Hunger. Deshalb tritt Extremhunger oftmals auch erst in späteren Stadien der Genesung auf.

Wenn du konsistent mehr isst und vor allem genug isst, dann pendelt sich das alles wieder von alleine ein, denn dein Körper kann darauf vertrauen, dass die Produktion dieser Signale nicht nur verschwendete Energie ist, sondern diese auch gefüttert werden. 

Ich esse genug, aber ich bin immernoch HUNGRIG

Eine der Fragen, die ich vermutlich am Häufigsten bekomme. Es könnte sein, dass du zwar nicht mehr physisch hungrig bist, aber mental. Beide Arten sind relevant und sollte nachgegangen werden. 

physischer Hunger: ein automatisch reguliertes Phänomen, das den Energiehaushalt des Körpers reguliert. In der Genesung dient dieser alle innerlichen Schäden – durch die Restriktion verursacht – zu heilen. Dein Hormonsystem ins Gleichgewicht zu bringen, usw. 

mentaler Hunger: wenn du physisch voll bist, aber du immer noch an Essen denkst, ist es wahrscheinlich, dass du dir immernoch nicht bedingungslose Erlaubnis zum Essen gibst. Wenn du dich immernoch in der Lebensmittelauswahl einschränkst oder planst, später wieder weniger zu essen.

Wie du deinen Extremhunger heilen kannst

Lass uns mal kurz ehrlich sein: Ich bin kein Fan davon, zu sagen, “iss einfach”. Genug und regelmäßig essen? ja. Aufjedenfall. Aber es gibt einen Unterschied zwischen a) einfach alles essen, ohne Struktur und b) bewusst dem Hunger nachgehen und dein Wohlbefinden zu einer Priorität zu machen. Nährstoffe sowie auch Emotionen spielen ebenfalls eine große Rolle. Also lass uns mal die 5 Schritte anschauen, die du gehen könntest. 

Psychoedukation

Dieser Schritt beinhaltet mehr über die Auswirkungen von restriktiver Ernährung auf den Körper und den Geist zu lernen. Zwei Artikel, die ich dir empfehlen kann sind diese hier: 

lass jegliche Form von Restriktion los

Jaja – das klingt leichter gesagt, als tatsächlich getan. Zuallererst solltest du überhaupt identifizieren, in welchen Bereichen du dich einschränkst. Gibst du dir wirklich die bedingungslose Erlaubnis zu essen? Warum machst du wirklich Sport? Wiegst du dich vielleicht immernoch? Was ist mit deinen Kleidungsstücken? Hast du irgendwelche Regeln, wann du was essen darfst und wieviel davon?

Die drei-Mahlzeiten Regel

Es fühlt sich vielleicht falsch an, für eine ganze Armee zu frühstücken und dann trotzdem wenige Zeit später dein Mittagessen wie gewohnt zu dir zu nehmen. Aber es ist unglaublich wichtig, dass du diese Mahlzeitenstruktur einhältst, damit dein Körper dir vertrauen kann, dass er in Zukunft genug über den Tag verteilt bekommt und nicht alles in einer Mahlzeit aufessen muss. 

Außerdem wird dir das dabei helfen, alle notwendigen Nährstoffe zu dir zu nehmen. Am besten isst du alle zwei bis drei Stunden 🙂

Schreib deine Gedanken auf

Lerne dich selbst besser kennen: Wovor hast du wirklich Angst? Welche Kernglaubenssätze hast du über dich selbst, andere und die Welt? Was fehlt dir in deinem Leben aktuell? Was belastet dich? Extremhunger ist vor allem eins: Ein Hunger für das Leben.

Lerne deinen Körper zu akzeptieren

Dein Gewicht verändert sich vielleicht. Und das ist absolut okay. Es ist nichts schlechtes – auch wenn es in den Medien häufig so dargestellt wird. Dein Gewicht sagt nichts darüber aus, wer du bist, was du kannst, wer dich mag und wie deine Zukunft aussieht. Was klingt schlimmer? Für immer ein Leben in deiner Essstörung zu verbringen, den ganzen Tag an Essen denken und nie sicher zu sein, ob du heute durchhältst oder die ganze Küche inhalierst oder es zu riskieren, dich selbst mehr wertzuschätzen und dabei eventuell Gewicht zuzunehmen. 

 

PS: Eigentlich hast du auch keine Angst vor dem Gewicht, sondern was du damit assoziierst. 

ganz viel Liebe und Kraft für deine Genesung!

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